Welchen Wein soll ich mitbringen?

Du bist eingeladen und man hat Dir gesagt: “Könntest Du bitte einen Wein mitbringen”. Aber statt direkt zuzugeben, dass Du keine Ahnung hast, stehst Du jetzt da und bist ratlos.

Diese Masse an Weinen im Supermarkt ist Dir auch keine Hilfe, wie sollst Du Dich da orientieren. Und ob das, was Dir der Verkäufer empfiehlt (der privat nur Bier trinkt) die Leute vom Hocker reißen wird, ist dann allemal die Frage.

Welchen Wein sollst Du also mitbringen?

(Atme tief durch, die Rettung naht!)

WENN also die Bitte kommt, dass Du Wein mitbringen sollst, dann frage geistesgegenwärtig: Rot oder weiß. Und direkt hinterher, ob der Wein trocken sein darf. Wenn Du richtig gut rüberkommen willst, dann frage zusätzlich, was es zu essen gibt. Dazu gleich mehr.

Hier meine Empfehlungen für Rotweine, die immer gut ankommen: Ein “Chianti classico” geht eigentlich immer, vor allem, wenn es voraussichtlich etwas Italienisches zu essen gibt. Bei Rinderrouladen, Gulasch oder Wildschweinbraten, bei Gans, Ente oder anderem roten Fleisch darf es ein österreichischer Zweigelt oder ein Blaufränkischer (auch Österreich) sein. Beide sind sehr kräftig und haben auch entsprechend “Umdrehungen”. Mit einem Domina aus Franken setzt Du Dich sogar richtig in Szene, denn der schmeckt den meisten Leuten und die wenigsten kennen ihn. Freue Dich auf die Anerkennung, die Du dafür bekommst!

Heißt die Antwort “Weißwein” (weil es Fisch gibt, Hühnchen oder weil die Gastgeber einfach gerne einen Weißwein trinken), kaufe einen trockenen Sauvignon Blanc aus der Pfalz. Auch ein Grauburgunder (Pinot Grigio!!!) verjagt niemanden. Der Sauvignon Blanc macht nur mehr Eindruck, denn im Pinot Grigio steckt irgendwie auch noch der Geist der 90er Jahre.

Preise für trinkbare Weine

Nicht erschrecken, eine Flasche von einem trinkbaren Wein kostet nicht unter 9€, aber Blumen sind auch teuer und die verwelken bloß. Mit einem Sauvignon Blanc aus der Pfalz kannst Du wirklich nichts falsch machen. Ich habe noch keinen getroffen, der gesagt hätte: “Neee, also, der schmeckt mir gar nicht.” Bestenfalls die Freunde von Honigmet und Zuckerwasser finden den doof, aber die finden alle trockenen Weine doof und da würde ich auch nicht zum Essen hingehen, wenn ich Du wäre *lach*.

Pass bitte auf, dass Du wirklich einen Sauvignon Blanc aus der PFALZ kaufst, und keinen aus Kalifornien oder Australien … da liegen Welten dazwischen.

Wenn es italienisches Essen gibt (meistens gibt es ja italienisches Essen), dann bring einen weißen Regaliali (Sizilien … der rote Regaliali ist übrigens auch okay) mit oder einen Lugana (Gardasee). Wenn es Weinkenner sind (oder welche, die sich dafür halten) besorge einen Van Volxem. Der “Saarriesling” ist da die Einstiegsklasse und der schmeckt den “geübteren” Weintrinkern auf jeden Fall. Wenn Du ein paar Euro mehr ausgeben kannst, dann tu das … bei Van Volxem lohnt sich das.  

Lass Dich nicht von putzigen Etiketten und coolen Namen verlocken. Nur weil ein Wein “Schmuckstück”, “Saukerl” oder sonst wie heißt, sagt das nichts über seine Qualitäten. 

Und zum guten Schluss verrate ich Dir noch zwei No-Go´s in Sachen “Wein zum Mitbringen”. Alle Weine, die in der Werbung oft angepriesen werden und dann unter 6€ kosten, kannst Du vergessen, denn Fernsehwerbung kostet Geld, diese ganze Marketing-Maschinerie ist teuer … da kann einfach bei 6€ nichts drin sein, was irgendwie lecker ist. Und: Bringe immer eine 0,7l-Flasche mit. Eine 1l-Flasche ist nur zum selber trinken da. 

 

Disclaimer / Triggerwarnung 🙂

Sie sind ein ECHTER Weinkenner? Schlotzen einen Trimbach Clos Sainte Hune, ergötzen sich an einem  Grand Cru Vosges-Romanée von der Domaine Gros Richbourg, kitzeln Ihren Gaumen mit den besten Barolos und akzeptieren im besten Falle mineralische Rieslinge von alten Reben? Schön für Sie. Aber selbst Sie haben wahrscheinlich mal klein angefangen, hatten als Baby auch keinen Dekanter anstelle von Kuscheltieren, also seien Sie gnädig … wenn die Weine in Ihrem Leben nie schlechter sind als diese Auswahl, läuft´s doch eigentlich ganz rund.

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